Vom Essen und vom Lieben

Richte dich her, richte es an. Investiere in die Zusammenstellung, nimm den richtigen Lack und die richtigen Gläser. Tusch die Wimpern, spar nie bei den Zutaten, nichts soll vertrocknet sein oder wirken. Gefällig – zuerst wird geschaut. Das ist so und wird sich nicht ändern. Nimm dir Zeit, nur wen du gut kennst, darfst du auch einmal als Fast-Food genießen. Was soll denn da Genuss sein, das ist nur bei Heißhunger erlaubt und manchmal (er)füllend den Magen und die Gier. Also zurück zum Mahl, das es verdient, geteilt zu werden, wie das Bett. Wählen musst du und der andere, wollt ihr das Gleiche in gleicher Folge? Koch lieber selbst, knete und forme, rühre und schlage, verfeinere nach deinem Willen, alles kannst du dem Rohen beibringen, nichts soll als verdorben gelten, weil ein anderer da war, es zu verderben. Stehen kannst du in der Bar oder vorm Herd, lass es später sein, im Stehen wird es anstrengend, zu heiß oder zu schnell. Setz dich, leg dich, fang an zu genießen. Vergiss Manieren, kommt ja doch von den Händen, greif zu, fühle und knete und brösle und lache. Schlecke und züngle, roll es hin und her. Rieche und schmecke, lass dir Zeit! Schnell isst, wer allein ist, wer allein ist, ist schnell fertig, das macht wenig Freude und muss manchmal sein. Sei zu zweit (oder von mir aus zu dritt oder zu viert, aber ich will mich jetzt noch nicht überessen!) und ich spiele dir die Vorspeise vor: Anregend aber niemals genug, wer will da schon aufhören – die Mäßigung steigert doch den Genuss. Leicht und Spiel, Fisch oder Fleisch, aber keine ganzen Stücke, verhalten, erwartend, öffne die Poren oder die Körper. Nackt seid ihr nun und unbeschwert, mach was du kannst, nimm was du kennst, wenn du auf Suppe und Erfahrung nicht verzichten magst. Die Suppe soll nicht zu dick sein, die Erfahrung nicht als Erinnerung klumpen und dir nicht gar schon wieder den Magen voll- oder die Lust verschlagen. Raste, spüre, zögere hinaus! Es mussten schon die Franzosen sein, die nie den Wein zum Salat trinken, trau dich zu kosten, was Essig scheint, mag auch allein zu würdigen sein, muss es doch wohl, auch wenn ich hier auf Erzähltes vertraue.
Zurück zum Menü – Beilagen, Beiliegen, du hast es vor dir – meist ist es wohl Fleisch, das du gesucht und gewählt hast, das dir jetzt gehört. Und du nimmst es, pfählst es, empfängst es, beißt es und schmeckst es. Das Stück ist groß, groß genug, es ist richtig gar und richtig gewürzt. Was ist schon richtig? Dir muss es munden, willst du zubeißen oder musst du die Zähne zusammenbeißen – halt – dann schick es zurück, nimm anderes, du kannst immer noch wählen.
Also nimm es, es gibt meistens genug!
Lass es ausklingen, nimm dein Dessert, nie soll der Nachgeschmack bitter sein
Modeste - 16. Mrz, 12:36

Das ist ein großartiger Text. Schade, dass Sie nicht in Berlin sind, wir hätten Sie spontan auf die Bühne gezerrt.

mek (Gast) - 16. Mrz, 12:56

Ich könnte den Text ja stellvertretend lesen. Wienerisch liegt mir schliesslich nicht so fern.
Nur sehe ich halt nicht so gut aus, aber das ist wohl das kleinere Problem.
la-mamma - 16. Mrz, 15:19

es wär mir eine ehre herr mek!

und danke für die komplimente!

Essen Trinken Glücklich Sein

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